'Alle Jahre wieder oder Trophäenkult in Reinkultur'
21.06.2004, 10:01

'Alle Jahre wieder oder Trophäenkult in Reinkultur'

Nationalparke sollen Landschaften sein, in denen die Natur weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Prozessschutz ist der allgemein akzeptierte Fachbegriff dafür. Dieses komplexe Schutzziel schließt auch den besonderen Umgang mit Wildtieren ein. Mit wenig Jagd, d.h. mit wenig Störung, sollen dem Schutzziel angepasste Schalenwilddichten erreicht werden. Eine Trophäen orientierte Jagd ist mit dem Schutzziel in einem Nationalpark nicht vereinbar. Nicht nur der ÖJV Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den zurückliegenden Jahren mit den Grundsätzen einer nationalparkgerechten Jagd auseinandergesetzt. Auch die Dachorganisation der Nationalparke in Deutschland, Europarc, hat mittlerweile ein Positionspapier zur Jagd in Nationalparken veröffentlicht, in dem eindeutig die Abkehr von einer Trophäen orientierten Jagd gefordert wird.

'Alle Jahre wieder' berichtet die OZ über so genannte Trophäen- und Stangenschauen im Nationalpark Vorpommersche Bodenlandschaft. Kürzlich wieder in der OZ vom 10.06.04 zu lesen. Nicht zuletzt haben sich gerade in den Nationalparken des Landes die Schalenwildbestände dramatisch erhöht. Wilddichten von mehr als 30 Stück/100ha sind keine Seltenheit. Schwere ökologische und ökonomische Schäden durch extremen Verbiss im Wald sowie hohe ökonomische Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen sind die Folgen. Im Landwirtschaftsministerium hat man mittlerweile die Dramatik der Schalenwilddichten im Lande erkannt und im Frühjahr alle Hegegemeinschaften aufgefordert, die Schalenwildbestände auf ein tragbares Maß abzusenken. Als ein Grund für die Misere wurde das Festhalten an überzogenen Abschusskriterien, wie z.B. Trophäenmerkmalen, genannt. Bei landesweiten Veranstaltungen mit den HG´s hatte ausgerechnet die Hegegemeinschaft Ferdinand von Raesfeld und das Nationalparkamt Vorpommersche Boddenlandschaft ein Problem damit, u. a. auf Trophäenmerkmale zu verzichten.

Trophäen- und Stangenschauen gehören keiner uralten Tradition an. Man führte diese Unsitte vor ca. 100 Jahren nach dem Prinzip 'Das Schlechte muss weg und das Gute darf bleiben' ein. Dabei richtete sich die Bewertung 'gut' oder 'schlecht' vor allem nach menschlichen Idealvorstellungen von einem Geweih; was mit Natur oder Natürlichkeit nichts zu tun hat. Die Blütezeit dieses Hegeprinzips finden wir im Dritten Reich. Ein solches Hegeverständnis ist wildbiologisch längst überholt und widerspricht dem Nationalparkgedanken eklatant.

 

Der Landesvorstand
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Waldburg - Veröffentlicht von pressrelations


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