UNICATO Juli: Prestes Maia - Freiheit in Beton
02.07.2009, 12:50
Wer traeumte nicht davon nach bestandenem Abitur eine Suedamerika-Reise zu machen? Die Jenaer Jonas Ginter, Levin Peter und Albrecht Schuch haben diesen Traum verwirklicht und viel dabei gelernt. Schnell wurde ihnen klar, dass der Kontinent hinter grandiosen Landschaften und quirligen Grossstaedten auch eine dunkle Seite birgt. Mit einer bei Werkleitz, dem Hallenser Zentrum fuer Medienkunst, ausgeliehen Videokamera im Gepaeck bezogen Ginter, Peter und Schuch Stellung.

Entstanden ist ein Dokumentarfilm ueber die Wohnraumproblematik in Brasiliens Mega-Metropole Sao Paulo. Dort stand Lateinamerikas groesstes besetztes Haus: Prestes Maia. Zu Spitzenzeiten lebten in diesem 22-etagigen Hochhaus ueber 1500 Menschen.

Die Bewohner entsprachen nicht dem Stereotyp der linksautonomen Hausbesetzer. Es waren Menschen ohne gesicherte Existenz, die das zuvor leer stehende Gebaeude vor dem Verfall bewahrten und sich damit ein Stueckchen Hoffnung. Menschen, denen nichts weiter uebrig blieb als allein um ihr Ueberleben zu kaempfen, wurden zum Sujet des Films. Die beiden Filmemacher portraetieren drei Schicksale, die fuer sich stehen.

Es ist eine Geschichte ueber den Kampf vieler, im prosperierenden Brasilien nicht den Anschluss zu verlieren. Vom wirtschaftlichen Erfolg des Landes profitieren nur Wenige. Die Abgehaengten stehen vor der Aufgabe, zwischen einem gnadenlosen Turbo-Kapitalismus und eigenen Lebensvorstellungen eine Bruecke zu schlagen.

Kurz nach Fertigstellung des Filmes wurde Prestes Maia geraeumt, die Bewohner umgesiedelt. Seitdem steht das Gebaeude leer. Der Film ist damit auch ein wichtiges Dokument, dass Zeitzeugen eines einzigartigen sozialen Projekts zu Wort kommen laesst.

Normalerweise zeigt UNICATO Filme von Studierenden. Die Filmemacher Levin Peter, Jonas Ginter und Albrecht Schuch waren in der Entstehungsphase ihres Filmes "Prestes Maia" allerdings noch keine Studenten. Sie hatten ihr Abitur 2005 an der Staatlichen Jenaplan-Schule Jena gemacht und gemeinsam beschlossen nach Brasilen zu reisen um einen Dokumentarfilm zu drehen. Bei ihrer Suche nach professioneller Unterstuetzung legten sie ihr Material auch bei der "Gebrueder Beetz Filmproduktion" vor, die oft fuer das ZDF und in Zusammenarbeit mit ARTE produzierten. Sender und Produktion waren so begeistert von Idee und filmischen Ansatz, dass die Filmemacher zu einem weiteren Dreh nach Sao Paulo geschickt wurden. Das Ergebnis ist schonungsloser Dokumentarfilm, der in starken Bildern zeigt, wie das Leben zwischen der Freiheit in Beton und dem Existenzkampf auf der Strasse aussieht. Beeindruckt von der brasilianischen Radikalitaet und der Kraft dieses Aktionsbuendnisses begleiten Levin Peter, Jonas Ginter und Albrecht Schuch drei ehemals Obdachlose bei ihrem aktuellen Kampf um Wohnraum. "Prestes Maia - Freiheit in Beton" ist ein sehr persoenlicher Film, mit intensiven Geschichten im aktuellen gesellschaftlichen Kontext.

PRESTES MAIA - FREIHEIT IN BETON ist 2008 fuer den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis nominiert worden.

Levin Peter studiert heute an der Filmakademie Ludwigsburg Regie fuer den Dokumentarfilm, Jonas Ginter strebt einen Journalistik-Bachelor an der Hochschule Bremen an und ist zur Zeit Erasmus-Student in Málaga (Spanien), Albrecht Schuch studiert Schauspiel an der Hochschule fuer Musik und Theater Leipzig.


zum Artikel bei MDR.DE:
http://www.mdr.de/presse/fernsehen/6490093.html

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Leipzig - Veröffentlicht von pressrelations


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