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Weshalb langfristig kaum jemand den Aktienmarkt schlägt
23.07.2018, 12:39
Als Anleger stellt man sich die Frage, weshalb Finanzinstitute mit ihren Kapitalmarktprognosen so oft daneben liegen und weshalb es die wenigsten Fonds schaffen, den Kapitalmarkt langfristig zu schlagen. Dass der einzelne Anleger erst recht überfordert ist, verwundert deshalb kaum. Rationale Auswahlkriterien können jedoch dabei helfen, eine seriöse Aktienauswahl vorzunehmen und die Portfoliorendite zu steigern, ohne gleichzeitig das Risiko zu erhöhen.

Um es mit den Worten des bekannten Analysten Benjamin Graham auszudrücken, als dieser seinerzeit gefragt wurde, was einen erfolgreichen Anleger ausmacht:
"Dafür braucht man weder außergewöhnliches Wissen noch Intelligenz. Am wichtigsten ist die Disziplin, gewisse Regeln aufzustellen und sie zu befolgen."

Regelmäßig erstellen große Finanzinstitute neue Prognosen zum Kapitalmarkt. In vielen Fällen stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Vorhersagen nicht erfüllt wurden. Dies liegt mitunter daran, dass die Finanzmärkte inklusive der verbundenen Wirtschaft zu komplex sind, und Vorhersagen über die künftige Entwicklung einzelner Unternehmen auch in der modernen Welt nicht möglich sind.

Diese These wird u.a. durch die Chaosforschung untermauert:
"Verlässliche Langzeitprognosen sind unmöglich - dies gilt für alle chaotischen Systeme, so auch für den Kapitalmarkt. Daraus folgt, dass Langzeitprognosen für einen Markt, so hart dies auch klingt, einfach unseriös sind." (Hans Uhlig, 1999)

Prof. Dr. Klaus W. Wellershoff, bis vor wenigen Jahren Chefökonom der Schweizer Großbank UBS, erklärte im SRF-Radio seinen Job-Rückzug so:
"...weil ich die Schnauze voll davon hatte, Prognosen abgeben zu müssen, die man gar nicht machen kann."

Die großen Finanzanbieter versuchen nichtsdestotrotz mittels Prognosen über die zukünftige Gewinnentwicklung einzelner Unternehmen, den fairen Aktienwert zu ermitteln. Solche Prognosen bieten dem Anleger keinen Mehrwert, sorgen jedoch für mediale Aufmerksamkeit. Jenes bietet einen Erklärungsansatz dafür, weshalb kaum ein großer Finanzanbieter den Aktienmarkt langfristig schlagen kann.

Privatanleger machen es in der Regel kaum besser. Im Gegenteil. Unter anderem besagt eine Studie der großen US-Finanzanalysefirma Dalbar aus dem Jahre 2014, dass der durchschnittliche Aktienanleger langfristig lediglich Renditen in Höhe von 3,17% pro Jahr erwirtschaftet, obwohl die langfristige Aktienmarktrendite bei 8,20% pro Jahr liegt. Gemessen wurde dies über einen Zeitraum von 19 Jahren, zwischen 1990 und 2009.

Eine vergleichbare Rendite wäre als Privatanleger somit möglich, würde er einfach passiv in die wichtigsten Aktienindizes dieser Welt investieren, ohne weiteres Zutun seinerseits. Der Anleger müsste hierfür weder die Finanzpresse verfolgen, noch die täglichen Schwankungen der Börsen beachten. Klingt einfach, wären da nicht die Emotionen, die Anleger immer wieder zurufen, am Markt aktiv sein zu müssen. Hierdurch begehen sie mitunter die folgenden, typischen Anlegerfehler:

-Gewinne werden zu früh realisiert, an Verlustpositionen zu lange festgehalten
-Selbstüberschätzung
-Unterschätzung der Realität
-Anleger sehen ihre Investitionen durch die Brille von Gewinn und Verlust

Die Behavioral Finance, eine vergleichsweise junge Wissenschaft, beschäftigt sich mit der Psychologie von Anlegern, die untersucht, wie Anlageentscheidungen zustande kommen und welche Fehler hierbei gemacht werden. Anleger handeln demnach, entgegen der ursprünglichen Finanzmarkttheorie, nicht rational, sondern emotional. Dies gilt nicht nur in hektischen Börsensituationen. Grund dafür ist ein ureigenes, menschliches Verhaltensmuster, das an der Börse jedoch für Fehlentscheidungen sorgt. Damit Emotionen, die man viel stärker wahrnimmt als rationales Denken, nicht die Oberhand gewinnen, brauchen Anleger ein Aktienauswahlsystem mit logischen Kriterien, das eine klare Sicht bei der Titelauswahl ermöglicht.

Eine einfache und dennoch überaus wichtige Kennzahl, die von vielen Anlegern zu wenig beachtet wird, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dieses gibt Auskunft darüber, ob eine Aktie im Verhältnis zu den Gewinnen des Unternehmens billig oder teuer ist. Dieser Kennzahl sollte man jedoch Beachtung schenken, da Studien belegen, dass Aktien mit niedrigem KGV langfristig weit bessere Renditen liefern als Aktien mit hohem KGV. Beispielsweise besagt eine Studie des quantitativen Research Teams der Citigroup aus dem Jahre 2008, dass die Aktien des MSCI World mit den niedrigsten KGV´s um jährlich 11,20 % besser abschneiden als die Aktien mit den höchsten KGV´s. Gemessen wurde ein Zeitraum über zwölf Jahre.

An sich auch logisch, sagt das KGV doch auch aus, wie hoch die Einstiegsrendite des Anlegers beim Aktienkauf ist. Bei einem KGV von 12 liegt die Einstiegsrendite bei 8,33% pro Jahr (100 geteilt durch 12). Mit diesem Wissen ließe sich eine erste, sehr einfache Regel aufstellen: Kaufe nur Aktien mit einer Einstiegsrendite von mindestens 8,33% bzw. einem KGV kleiner als 12.

Darüber hinaus dürfte es für Anleger interessant sein, in Unternehmen zu investieren, die nicht nur günstig, sondern defensiv finanziert zugleich sind - also in Firmen mit geringer Verschuldung, die besonders in Schwächephasen des Aktienmarktes gefragt sind. Als Kriterium bietet sich hier die Eigenkapitalquote an. Demnach könnte die zweite Regel lauten, nur Aktien von Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote größer als 30% zu kaufen.

Je mehr logische Kriterien in solch einen Auswahlprozess einfließen, umso aussichtsreicher werden die Titel in ihrer zu erwartenden Rendite. Weitere rationale und logische Kriterien sind u.a. die Eigenkapitalrendite des Unternehmens, die Gewinnmarge oder eine starke Kursentwicklung in den zurückliegenden sechs Monaten. Diese und weitere Kriterien führten in der Vergangenheit zu Überrenditen.

Grundsätzlich vermieden werden sollten Aktien mit anhaltendem Abwärtstrend. Das Paradoxe am Aktienmarkt ist, dass entsprechende Aktien in der Regel noch weiter fallen, während gut laufende Aktien den positiven Trend fortsetzen. Ebenso sollte die Anzahl der Auswahlkriterien überschaubar bleiben - umso mehr Kriterien herangezogen werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man keine Aktien mehr findet, die alle Kriterien zugleich erfüllen.

Hilfe hierbei bieten z.B. die Aktien-Screener verschiedener Finanzseiten. Diese unterstützen Privatanleger dabei, ihre Investmentideen vorab genauer zu überprüfen. Für Privatanleger mit mehr Kapital empfiehlt sich die Beauftragung z.B. eines unabhängigen Vermögensverwalters mit Spezialisierung auf quantitative Aktienselektionsmethoden.

Pressekontakt
Heissenberger Vermögensverwaltung AG
Björn Heissenberger
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Veröffentlicht von pressrelations


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