Die Dresdner Bank berät ohne Worte
23.01.2006, 17:16

Robert Davis ist Deutschland ungewöhnlichster Banker. Vor sechs Jahren verlor er sein Gehör. Heute berät er in Gebärdensprache hörgeschädigte Kunden an der Düsseldorfer Königsallee.

Dresdner Bank AG
Frankfurt / Düsseldorf, 23. Januar 2006 - Wenn Robert Davis aus seinen Daumen und den Zeigefingern ein Quadrat formt, hat er gerade ein Konto verkauft. Wenn er mit den Händen eine Zickzack-Bewegung nach oben und unten macht, spricht er über die Börse. Und wenn er anschließend noch den Kopf in die Hände legt, erklärt er die Vorteile eines Aktienfonds: 'Sie können ruhig schlafen...'

Zum Arbeitsplatz von Deutschlands ungewöhnlichstem Banker in der Filiale an der noblen Königsallee in Düsseldorf weist ein grünes Schild mit einem durchgestrichenen Ohr. Dort sitzt Davis und redet mit seinen Kunden, allerdings in einer Sprache, die nur Augen verstehen: Der 46-Jährige ist Berater für Hörgeschädigte.

Früher: ständig am Telefon

Vor sechs Jahren handelte Davis für Privatkunden noch mit Futures und Optionen, 80 Prozent seiner Zeit arbeitete er mit dem Telefonhörer in der Hand: Kaufen! Verkaufen! Halten! Irgendwann wurden die Stimmen der Menschen in der Leitung immer leiser.

'Nach und nach begriff ich, dass mein Gehör nachlässt', erzählt der 46-jährige. Diagnose: Cholesteatoma, eine Krankheit, die den Großteil des Hörvermögens raubt. Für Davis ein Schock: 'Man fällt in ein tiefes Loch. Es war schwer für mich zu akzeptieren, mit dieser Behinderung leben zu müssen. Ich machte mir auch Sorgen, wie meine Umwelt, meine Familie darauf reagieren werden.'

Nicht mehr auf den Gebärdendolmetscher warten

Doch der gebürtige Engländer nahm den Kampf gegen sein Schicksal auf: Er lernte die Gebärdensprache - und nahm sich vor, in seinen Beruf zurückzukehren. Sein Ziel: Bei der Dresdner eine Bankberatung für Menschen mit schweren Hörproblemen einzuführen. Denn sie müssen normalerweise mit einem Dolmetscher für Gebärdensprache zu ihrer Bank kommen - und dafür bis zu drei Wochen warten, bis sie einen Termin wahrnehmen können.

'Zuerst war ich eher skeptisch, was die Idee von Robert Davis anging', gibt Heribert Bohnen, Vorsitzender der Geschäftsleitung Personal Banking in der Region Rheinland/Düsseldorf zu. 'Als ich dann aber erfuhr, dass es alleine in Nordrhein-Westfalen 1,7 Millionen Menschen gibt, die hörgeschädigt sind, war ich überzeugt. Denn Bankgeschäfte sind schließlich Vertrauenssache.'

Einziger Berater für Hörgeschädigte in Deutschland

Heute ist die Dresdner das einzige deutsche Kreditinstitut, dass einen Beraterplatz für hörgeschädigte Kunden hat. Mittlerweile ist Davis nicht mehr nur in Düsseldorf im Einsatz, sondern wird von Filialen im ganzen Rheinland angefordert.

'Gerade bei Geldgeschäften spielen der persönliche Kontakt und das Vertrauen eine sehr große Rolle', erklärt er. 'Vor allem junge, hörgeschädigte Menschen, die ins Berufsleben einsteigen, brauchen eine umfassende Beratung. Schließlich werden in dieser Phase die Weichen für das ganze Leben gestellt.'

Fachsprache in Gebärden übersetzen

Die Fachsprache von Banken und Versicherungen in Gebärden zu übersetzen ist dabei nicht so leicht. 'Häufig muss ich einen Begriff wie Riester-Rente erst buchstabieren', so Davis. 'Danach legt man dann spontan das 'R' für Riester als Gebärde fest. Ich merke aber am Gesichtsausdruck sofort, ob ein Kunde wirklich alles verstanden hat.'

Und wer glaubt, dass es zwischen Düsseldorfern und Kölnern wenigstens in der Gebärdensprache keine Missverständnisse geben kann, irrt: Die Gebärde, die in Düsseldorf die eigene Stadt bezeichnet, bedeutet in Köln Donnerstag. 'Die Dialekte in meiner Region', so Davis, 'hab ich mittlerweile aber alle drauf.'

Johannes Marten
Dresdner Bank AG
Fon: +49.69.263-16712
johannes.marten@dresdner-bank.com

Jutta Wellmann
Region Rheinland
Dresdner Bank AG
Fon: +49.211.321-3068
jutta.wellmann@dresdner-bank.com




Frankfurt/Main - Veröffentlicht von pressrelations


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