KAO Kritische Aufklärung über Organtransplantation
KAO Kritische Aufklärung über Organtransplantation
KAO Kritische Aufklärung über Organtransplantation
Zehn Jahre Transplantationsgesetz - Erosion der Moral
04.12.2007, 17:41

(Bonn, den 4. Dezember 2007) Zum 1. Dezember 1997 trat das Transplantationsgesetz in Kraft. Anlässlich des zehnten Jahrestages des Gesetzes veranstaltete der Verein 'Kritische Aufklärung über Organtransplantation KAO e.V.' am Samstag, 01.12.2007, ein öffentliches Podiumsgespräch im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn. Geladen waren Angehörige von Organspendern, Mediziner und Sachverständige, die sich bei der damaligen Bundestagsanhörung vor Verabschiedung des Gesetzes kritisch geäußert hatten, um Bilanz zu ziehen, sowie alle am Thema Interessierten.

Fazit: Auch 10 Jahre später steht die Frage, wann der Mensch wirklich tot ist, im Mittelpunkt der Kritik. Ist ein Mensch tot, wenn das Gehirn ausfällt, wie es im Transplantationsgesetz mit dem Hirntod-Kriterium für eine Organentnahme festgelegt ist, oder erst, wenn Herzschlag und Atmung aufgehört haben? Ist ein Organspender unmittelbar vor der Organentnahme eine Leiche oder ein Lebender ohne messbare Hirnfunktion? Die Einhellige Haltung der Tagungsteilnehmer war dabei: 'Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen.' Die KAO strebt daher eine Gesetzesreform an und plädiert für die enge Zustimmungsregelung. Das heißt, nur erklärten Spendern sollen Organe entnommen werden, Angehörige sollen dies nicht entscheiden dürfen. Zudem forderte KAO eine umfassende ehrliche Aufklärung, was bei einer Organentnahme nach dem Hirntodkriterium geschieht. Die bisherigen Kampagnen z.B. der Deutschen Stiftung Organtransplantation DSO seien einseitig nur auf die positiven Aspekte der Organspende ausgelegt.

Gleich zu Beginn der Tagung erläuterte Dr. Paolo Bavastro, Internist und Kardiologe aus Stuttgart, in seinem Vortrag 'Menschen im Hirnversagen sind Sterbende' ausführlich die Kritik am Hirntodkonzept.

Aus der Sicht der betroffenen Angehörigen von 'Organspendern' berichteten Renate Focke, Gisela Meyer und Renate Greinert über ihre Erfahrungen mit der Transplantationsmedizin. Sie forderten eine Stärkung der Palliativmedizin und der Hospizbewegung. Der Mensch habe das Anrecht auf einen ungestörten Sterbeprozess, der für ihn und die Angehörigen 'lebenswichtig' sei. Die Hospizbewegung stellt die Frage: 'Was braucht dieser sterbende Mensch?' Die Transplantationsmedizin aber fragt: 'Was brauchen wir von diesem Sterbenden?' Sie wendeten sich damit gegen die These des Neurologen Dr. Martin Klein, der zuvor erklärte, die Organentnahme zum Zwecke der Organspende solle nach Feststellung des Hirntodes ohne weiteres möglich sein, auch ohne 'enge' oder 'erweiterte' Zustimmungslösung, denn die Rettung eines Menschenlebens habe Vorrang vor 'Pietätspflichten gegenüber Hirntoten.'

In einem grundlegenden Vortrag über das Menschenbild in der modernen Medizin beklagte Prof. Dr. Linus Geisler, Internist und Sachverständiger für bioethische Zeitfragen aus Gladbeck, die 'Erosion des Transplantationsgesetzes'. Die Extremmedizin, die die Heilung im Körper eines anderen suche, stehe unter dem 'Odium der Systemtragik', wenn sie dem Menschen ein Weiterleben verspreche. Denn schließlich könne sie die Sterblichkeit nicht überwinden. Auch sei der behauptete 'Organmangel' jeglicher Manipulation zugänglich.

Die Psychoanalytikerin und Sachbuchautorin Elisabeth Wellendorf berichtete von Wesensveränderungen und Schuldgefühlen gerade bei jungen Transplantierten. 'Wenn einer auf der Warteliste steht, gibt es nur eines: Durchhalten. Sterben als Alternative darf gar nicht mehr gedacht werden', erklärte Wellendorf.

Erika Feyerabend, Journalistin und Geschäftsführerin von BioSkop e.V., Essen, und Richard Fuchs, Sachbuchautor, befanden in ihren Vorträgen, aus dem 'Gabentausch der Organspende' werde immer mehr ein kommerzialisierter 'Warentausch'. Sie beklagten die völlige Intransparenz der Organverteilung sowie die weitere Kommerzialisierung durch das Gewebegesetz. Mit Hilfe der im Prinzip kostenlos zur Verfügung gestellten Organe habe sich ein Milliardenmarkt etabliert.

Zum Schluss berichtete die Fernsehjournalistin Silvia Matthies davon, wie die Beteiligten - Mediziner und Programmverantwortliche - eine freie kritische Berichterstattung seit den achtziger Jahren immer wieder behinderten, so dass man sich jetzt daran gewöhnt habe, fast nur noch unkritisch positive Sendungen zu erleben.


Weitere Informationen:

'Kritische Aufklärung über Organtransplantation KAO e.V.'
http://www.initiative-kao.de/  




Bremen - Veröffentlicht von pressrelations


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