MDR-Umschau deckt Tricks der Lebensmittelindustrie auf: Gestreckter Kaffee als Steuersparmodell
06.09.2010, 13:11
Leipzig (mdr) - Die Röstereien Onko (Kraft Foods) und Tchibo strecken Kaffee und lassen ihn im Ausland produzieren, um Steuern zu sparen. Den Kunden werden diese Produkte jedoch zum gleichen Preis wie 100-Prozent-Kaffees und in einem Fall in zum verwechseln ähnlichen Verpackungen verkauft. Das berichtet das MDR-Magazin Umschau in seiner aktuellen Ausgabe. Mit der gestreckten Kaffee-Importware sparen die Röster bei einem aktuellen Kaffeepreis von rund vier Euro je 500-Gramm-Packung 0,24 Euro Kaffee- und Mehrwertsteuer.

Gestreckt werden alle Sorten der Kraft Foods-Marke „Onko“ und zwei Sorten der Tchibo-Marke „Eduscho Gala“. Tchibo lässt seinen Kaffeemix unter anderem in Polen und Kraft Foods in Österreich herstellen. Zum Strecken wird hauptsächlich geschmacksneutrales Maltodextrin sowie Karamell verwendet, die im Einkauf nur unwesentlich weniger kosten als der Rohstoff Kaffee. Auf Anfrage erklären beide Hersteller, dass der Zusatz von Maltodextrin und Karamell vor allem aus geschmacklichen Gründen vorgenommen wurde. Die Mischung verschafft den Unternehmen jedoch auch einen fiskalischen Vorteil.

Der Steuervorteil ergibt sich aus dem deutschen Kaffeesteuergesetz. „Wird der Röstkaffeeanteil reduziert, verringert sich auch die Kaffeesteuer. Das heißt, diese Waren werden weniger besteuert als 100-prozentiger Kaffee. Der Steuervorteil vergrößert sich, wenn diese Kaffeemix-Produkte im Ausland produziert und dann importiert werden“, erklärt Heike Wilsdorf vom Hauptzollamt Dresden. Um den besonders großen Steuervorteil bei der Importware in Anspruch zu nehmen, muss der Kaffeeanteil nach der gesetzlichen Steuertariftabelle unter 90 Prozent liegen.

Kraft Foods hat gerade damit begonnen, bei „Onko“ den Kaffeeanteil auf 88 Prozent zu senken. Das Produkt wird für den deutschen Markt unter anderem in Wien hergestellt. Tchibo verkaufte bis vor kurzem die Sorten „Eduscho Gala Mild & Elegant“ und „Eduscho Gala Vollmundig & Edel“ mit einem Kaffeeanteil von 90 Prozent. Jetzt wurde der Anteil auf 89 Prozent - also unter die markante Steuerbegünstigungsgrenze - reduziert. Der Kaffeemix wird unter anderem in der Tchibo-Rösterei in Marki bei Warschau produziert.
Kaffeesteuer in Euro / 500-Gramm-Packung (Werte gerundet)

Auf den Nettokaffeepreis (inklusive Kaffeesteuer) wird zudem die Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent berechnet. Bei einem Kaffeepreis von rund vier Euro ergibt sich so ein Steuervorteil von bis zu 0,24 Euro je 500-Gramm-Packung bei Importware.

Produktionsstandort
Kaffeeanteil Inland Ausland
100 % 1,10 € 1,10 €
89% 0,98 € 0,88 €
88% 0,97 € 0,88 €

Quelle: Kaffeesteuergesetz


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MDR-Magazin Umschau
Dienstag, 07.09.2010; 20:15 Uhr, im MDR FERNSEHEN
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Leipzig - Veröffentlicht von pressrelations


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