10 Jahre Fischereiforschung mit der 'Walther Herwig III'
12.12.2003, 13:50

10 Jahre Fischereiforschung mit der 'Walther Herwig III'

Dieses und weitere Bilder finden Sie ab morgen im Internet im Bildarchiv der Bundesforschungsanstalt http://www.bfa-fisch.de/Bildarchiv/WH_Fotos.html

Die 'Walther Herwig III', das Flaggschiff der deutschen Fischereiforschung, wurde am 16. Dezember 1993 getauft und in Dienst gestellt. Als drittes Schiff in Folge trägt die Walther Herwig den Namen des deutschen Ministerialbeamten, der sich Ende des 19. Jahrhunderts massiv für den Aufbau einer deutschen Fischereiflotte und verbunden damit für die Einrichtung einer internationalen Meeresforschung und -bewirtschaftung eingesetzt hatte. Herwig war von 1902 bis 1908 einer der ersten Präsidenten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), derjenigen Organisation, die heute in ihren Jahresgutachten die regelmäßigen Hiobsbotschaften über den Niedergang der nordatlantischen Fischbestände überbringt.

Die Bewirtschaftung der wildlebenden und von verschiedenen Nationen genutzten Meeresfischbestände ist damals wie heute auf eine intensive wissenschaftliche Erforschung angewiesen, - und bleibt auch so noch schwierig genug. (Dies zeigen die neueren Berichte der BFAFI im Internet ( http://www.bfa-fish.de/news/news-d/index.html ). Aufgrund einer hochtechnisierten und immer effizienteren Fischerei geraten die natürlichen Ressourcen immer stärker unter Druck - wie z.Zt. Kabeljau, Seehecht und Scholle in den europäischen Gewässern. Die Daten, die von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Zusammenarbeit mit allen europäischen Fischereiforschungsinstituten mit Hilfe der 'Walther Herwig III' und ihren Schwesterschiffen in den anderen Ländern erhoben werden, dienen der EU-Kommission zur Erarbeitung von Managementkonzepten für eine zukünftige bessere Bewirtschaftung und nachhaltigere Nutzung der Fischbestände.

Seit seiner Indienststellung hat das Schiff für die Arbeiten der der Bundesforschungsanstalt für Fischerei (bis 1. 12. 2003) auf 118 Seereisen 2625  Tage auf See verbracht und dabei 391 169 Seemeilen zurückgelegt (siehe Karte der Haupteinsatzgebiete im Bildarchiv).

Auf diesen Forschungsfahrten wird die Entwicklung der Fischbestände mit experimentellen Fängen und hydroakustischen Methoden verfolgt. Fangtechnische Untersuchungen haben das Ziel, bestandsschonende selektive Fischereimethoden weiterzuentwickeln. Umweltdaten, wie Schadstoffkonzentrationen, Radioaktivität, Salzgehalt und Temperatur werden unter dem Blickwinkel ihrer Wirkungen auf die Fische und das Lebensmittel 'Fisch' gemessen.

Vor wenigen Tagen kam die 'Walther Herwig III' von Grönland zurück, wo eine umfangreiche Bestandsaufnahme von Rotbarsch und Kabeljau und die Messungen der ozeanographischen Veränderungen zeigte, dass ein starker Erwärmungstrend in diesen Gewässern wieder zu einer Zunahme der seit den 1980er Jahren zusammengebrochenen Fischbestände führen könnte.

An ihrem Geburtstag, am 16. Dezember 2003, wird die 'Walther Herwig III' unter der Leitung von Dr. Thomas Lang auf einer Reise (4.12. - 22.12. 2003) in die Nord- und Ostsee sein, bei der die Verbreitung und Verteilung von Fischkrankheiten untersucht wird (siehe hierzu auch anhängenden Bericht).

'Walther Herwig III'- Daten

Allgemeine Angaben

gebaut 1992/93 in Berne und Wolgast

16. Dezember 1993 in Dienst gestellt

Tonnage: 2131 BRZ

Länge über alles: 64,5 m

Breite auf Spanten: 14,8 m

Breite über alles: 15,22 m

Tiefgang maximal: 5,96 m

Bauweise: Heckfänger mit Aufschleppe

Seemännische Besatzung: 21

Wissenschaftlerplätze: 12

Liegehafen: Bremerhaven, Nordsee

Einsatzgebiet: nördlicher Nordatlantik, Nord- und Ostsee

Eigner: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Reeder: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Maschinentechnische Daten

Antrieb: dieselmechanisch / dieselelektrisch, gesamt 2900 kW; ein Dieselhauptmotor 1800 kW, ein elektr. Fahrmotor 1100 kW

Reisegeschwindigkeit: 13,5 Knoten

Fischereitechnische Ausrüstung

zwei Fischereiwinden mit je 3000 m Kurrleine und 165 kN Zugkraft, eine Netzhaspel

Computerbordnetz mit Terminals in allen Labors und nautischen Räumen

Wissenschaftliche Ausstattung

zwei Hydrographiewinden mit je 6000 m Seriendraht und Einleiterkabel und je 30 kN Zugkraft; Drahtführung über Schiebebalken Stb-Seite

Universallabor, Fischlabor, Nasslabor, Chemielabor mit Vor- und Messraum, Computerraum, ozeanographisches Trockenlabor, Wasserschöpferraum, Echointegrator-Anlage EK 500 Simrad

ein Tunnelfroster 1000 kg / 24 Std. -50°C, zwei Tieffrosträume 22 qm und 10 qm bis -50°C

Weitere Berichte über die Forschungsarbeiten an Bord der 'Walther Herwig III' und der anderen Forschungsschiffe der BFAFi finden Sie auf unserer Homepage im Internet http://www.bfa-fish.de/news/news-d/reisen/reiseberichte_wh.htm

Für Rückfragen steht Ihnen Herr Dr. Gerd Hubold, Leiter der Bundesforschungsanstalt für Fischerei und des Instituts für Seefischerei Tel. 040 38905-177, zur Verfügung.

Hoher Besuch auf FFS 'Walther Herwig III'

Von Thomas Lang

Am 29. August 2003 besuchte Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, für einen Tag das Fischereiforschungsschiff 'Walther Herwig III' und ließ sich an Bord vom Fahrtleiter Dr. Thomas Lang mit seiner wissenschaftlichen Crew und von Kapitän Willibald Hartmann mit seiner Besatzung über das wissenschaftliche Programm der 255. Forschungsreise (25. August - 6. September 2003) und über den Schiffsbetrieb informieren.

Die 'Walther Herwig III' steuerte während der laufenden Reise die Insel Helgoland an, wo sich die Ministerin und ihrer Begleiterinnen und Begleiter mit dem Börteboot auf die 'Walther Herwig III' übersetzen ließen. Bis zum Nachmittag informierte sich die Ministerin über die Forschungsarbeiten vom Sortieren des Fanges über die Altersbestimmung bis zur Untersuchung von Fischkrankheiten und legte, mit Ölzeug zünftig ausgestattet, selbst Hand an. Auf einer Schiffsführung bekam sie einen Einblick in die technische Ausstattung des Schiffes und in das Leben an Bord.

Das wissenschaftliche Programm der 255. Reise umfasste die Untersuchung von Fischkrankheiten und biologischen Schadstoffeffekten bei Fischen in Nord- und Ostsee und die Probennahme zur Messung von Schadstoffen und Radioaktivität. Diese Untersuchungen sind Bestandteil des Langzeit-Überwachungsprogrammes des Institutes für Fischereiökologie (IFÖ) der BFAFi und der Monitoring-Aktivitäten des BMVEL auf der Hohen See im Rahmen internationaler Überwachungsprogramme der Meersschutzkonventionen von OSPAR (Nordsee) und HELCOM (Ostsee).

Radioökologische Untersuchungen

Von Hans-Jürgen Kellermann

Für eine Bewertung des Zustandes mariner Ökosysteme in Nordsee, Ostsee, Atlantik und angrenzende Gewässer betreibt das Institut für Fischereiökologie (IFÖ) Forschung im Bereich der Meeresumwelt. Im Mittelpunkt steht die Untersuchung mariner Organismen (Biota) mit dem Ziel, nachhaltige Nutzung und Ressourcenschutz zu gewährleisten. Dazu ist es erforderlich, neben Fischen und Fischnährtieren auch deren Lebensraum, Wasser und Schwebstoffe auf Schadstoffe, wie beispielsweise Radionuklide aus der Kerntechnik, zu erforschen. Das IFÖ untersucht grundsätzlich die Auswirkungen natürlicher und anthropogener Faktoren auf die Schadstoffbelastung der Fische.

Anders als bei den übrigen Instituten der Bundesforschungsanstalt für Fischerei ist das Arbeitsgerät des IFÖ nicht nur auf fischereitechnische Erfordernisse ausgerichtet. Darüber hinaus wird ein 400-Liter-Wasserschöpfer benutzt, um Meerwasser aus bestimmten Tiefen zu heben. Dieses mannsgroße Gerät wird mit geöffnetem Deckel unter Verwendung eines Pingerlot-Systems in vorgewählte Tiefe bis dicht über Grund gefiert. Der Deckel wird nach vorgewählter Zeit automatisch geschlossen und der Schöpfer danach mit der Wasserprobe wieder an Bord gehievt.

Das Bergen des vollen Schöpfers ist bei Seegang nicht ganz einfach. Die 'Walther Herwig III' besitzt keine spezielle Ausrüstung, wie beispielsweise einen seitlichen A-Galgen oder einen Schiebebalken zum über Bord Heben des Schöpfers. Stattdessen wird die Leine über einen Block an einem Baum geführt. Bedingt durch diese Technik hängt der Schöpfer an einer relativ langen Leine, so dass er bei Seegang kräftig ins Schwingen geraten kann, was bei einem Gesamtgewicht von über 700 kg ein gut eingespieltes Team erfordert, um in sicher an Bord abzusetzen. Die Deckmannschaft der Walther Herwig hat diese Tätigkeit gut im Griff (vergl. Foto).

Anlässlich der 187. Reise des FFS Walther Herwig III im Sommer 1997 in die Barentssee wurde der Wasserschöpfer in den Arbeitsgebieten Nordkapbank (NK), Bäreninsel (BI), Hopeninsel (HI), Zentralbank (ZB), Schlupfloch (SL) und Spitzbergen (SB) eingesetzt, um Meerwasserproben aus 10 und 100 m über Grund zu nehmen. Zusätzlich war im Gebiet NK mit der Schiffspumpe Wasser 5 m unter der Oberfläche geholt worden.

Auf allen Positionen war die 137Cs Konzentration 100 m über Grund rund 3 % niedriger als 10 m über Grund. Weitere Untersuchungen in den Jahren 1994 und 2000 erbrachten, dass Oberflächenwasser nur geringfügig höhere Werte als Wasser 10 m über Grund aufweist. Das Oberflächenwasser im Gebiet Nordkap bildet jedoch eine Ausnahme. Es enthielt in allen Untersuchungsjahren höhere Werte (4,13 Bq/m3, 1997), was durch den Einstrom des 137Cs aus südlicheren Gewässern bedingt ist.

Zusammenfassend ergibt sich für die Barentssee eine gute vertikale Durchmischung des 137Cs im Wasser. Fische nehmen Schadstoffe entweder direkt aus dem Wasser oder über die Nahrung auf. Der Eintrag in das Nahrungsnetz beginnt prinzipiell mit der Primärproduktion, also an der Wasseroberfläche. Die direkte Aufnahme erfolgt aus dem Umgebungswasser der Fische. Nur bei guter vertikaler Durchmischung, wenn also beide Werte gleich sind, kann vereinfachend mit nur einer Konzentration im Wasser die Aufnahme in den Fisch über den Biokonzentrationsfaktor abgeschätzt werden. Mit diesem Wissen sind einfache Modelle für eine prognostische Abschätzung der Auswirkung von Schadstoffeinträgen in die Barentssee nutzbar.

 

BFA Fischerei, I&D, Palmaille 9,
22767 Hamburg
Tel. 040 38905/140/113
Fax 040 38905261
e-mail: info@iud.bfa-fisch.de
INTERNET:
http://www.bfa-fisch.de




HAMBURG - Veröffentlicht von pressrelations


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