Volkswagen (VW)
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Würdigung des ersten Generaldirektors des Volkswagenwerks
21.12.2005, 15:41

Würdigung des ersten Generaldirektors des Volkswagenwerks

Dr. Hermann Münch legte während der britischen Zeit bei Volkswagen die Fundamente des späteren Erfolgs

Neue Straße trägt den Namen des damaligen Haupttreuhänders

Wolfsburg, 21. Dezember 2005 - Die neue Zufahrtsstraße zum 'MobileLifeCampus' heißt seit heute nach dem Unternehmenslenker des Volkswagenwerks der Jahre 1946/47: 'Hermann-Münch-Straße'. Damit erhält ein Mann einen festen Platz im öffentlichen Bewusstsein, der in leitender Position unter schwierigsten äußeren Bedingungen zur Ausprägung der heutigen Gestalt von Volkswagen beigetragen hat.

Quer zur Heinrich-Nordhoff-Straße und gegenüber der Major-Hirst-Straße liegt in Wolfsburg nun die Hermann-Münch-Straße - benannt nach dem am 26. Februar 1946 von der Britischen Militärregierung zum 'Chief Custodian' (Haupttreuhänder) berufenen ersten Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH, Dr. Hermann Münch. Der 1885 geborene promovierte Wirtschaftsjurist hatte sich seit den 1920er Jahren mit seiner Aufsichtsratstätigkeit bei verschiedensten Unternehmen und Banken einen Namen gemacht, und er hatte zur NS-Diktatur Distanz gehalten - beides qualifizierte ihn aus Sicht der Briten für seine Managementfunktion im 1945 von den Alliierten beschlagnahmten Volkswagenwerk.

Formell übernahm Dr. Münch am 17. Juni 1946 mit der im Handelsregister vermerkten Bestellung seine Doppelfunktion als Haupttreuhänder und Generaldirektor. Mit großem Engagement gelang ihm trotz des allgegenwärtigen Mangels die Aufrechterhaltung der Automobilproduktion. Er eröffnete damit dem Werk und seiner Belegschaft wirtschaftliche Perspektiven, die nur wenige Jahre später in eine junge Industriestadt münden sollten. Gerade im Hungerwinter 1946/47 setzte er sich bei der Britischen Militärregierung für eine verbesserte Lebensmittelversorgung der Belegschaft ein und trat darüber hinaus für moderne Konzepte der Mitarbeiterpartizipation in der demokratisierten Fabrik ein. Dr. Hermann Münch war eine außergewöhnliche Managerpersönlichkeit, die der Wissenschaft aufgeschlossen gegenüber stand und während seiner Wolfsburger Zeit u.a. seine grundlegende Studie 'Böhmische Tragödie. Das Schicksal Mitteleuropas im Lichte der tschechischen Frage' abschloss. Diese erschien 1949 im Braunschweiger Westermann-Verlag und fand selbst in Fachkreisen hohe Anerkennung.

In seine Zeit fiel auch die Aufnahme der Exporttätigkeit, die im August 1947 mit der kommerziellen Lieferung der ersten fünf Limousinen in die Niederlande einsetzte. Im Übergang zur Marktwirtschaft und dem Hochfahren der Produktion übertrug der Vertreter der britischen Militärregierung im Volkswagenwerk, Major Ivan Hirst, dem dann 20 Jahre als Generaldirektor bzw. als Vorstandsvorsitzender tätigen Heinrich Nordhoff zum 1. Januar 1948 die Chefposition. Dr. Münch führte bis zum 30. April 1948 seine Funktion als Haupttreuhänder fort; seine letzte, bis heute Wirkung entfaltende Amtshandlung war der Beschluss vom 26. April 1948, den Geschäftssitz der Volkswagenwerk GmbH von Berlin nach Wolfsburg zu verlegen.

Nach seinem Weggang aus Wolfsburg erreichte Dr. Münch die Bankzulassung der 'Berliner Handelsgesellschaft in Frankfurt am Main Aktiengesellschaft', bevor er am 17. März 1951 plötzlich verstarb und seine Frau und einen Sohn hinterließ. Durch den einmaligen Aufstieg von Volkswagen zum Symbolunternehmen des deutschen Wirtschaftswunders unter seinem charismatischen Generaldirektor Heinrich Nordhoff traten Person und Wirken von Dr. Hermann Münch in der Wahrnehmung in den Hintergrund. Volkswagen hat 1999 in dem Band 'Das Werk der Briten' seiner Schriftenreihe 'Historische Notate' erstmalig eine ausführlichere Darstellung der Managementleistung von Dr. Hermann Münch vorgenommen, die durch die 2003 erschienene Ivan-Hirst-Biographie noch vertieft wurde.

Dr. Manfred Grieger, Leiter der Historischen Kommunikation der Volkswagen AG, sieht sich durch die beeindruckende Biographie dieses Unternehmensleiters der ersten Nachkriegszeit aufgefordert, der Formierungsphase des heutigen Volkswagen-Unternehmens weiterhin hohe Aufmerksamkeit zuzuwenden: 'Gerade das Beispiel des ersten Generaldirektors Dr. Münch zeigt, dass die Geschichte von Volkswagen von Menschen geprägt wurde, die sich im Interesse der Menschen die Überwindung wirtschaftlicher Schwierigkeiten zur Aufgabe gemacht haben. Ideenwelt und Unternehmerhandeln von Dr. Hermann Münch regen bis heute zum Nachdenken an.'




Wolfsburg - Veröffentlicht von pressrelations


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