Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN)
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Forstarbeiterdenkmal am Rondell bei Oberhof saniert
16.11.2005, 11:43

Forstarbeiterdenkmal am Rondell bei Oberhof saniert

Der Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Prof. Dr. Christian C. Juckenack, übergab heute das sanierte Forstarbeiterdenkmal am Rondell bei Oberhof. Das Denkmal wurde am 21. Juni 1981 zum damaligen 'Tag der Genossenschaftsbauern und der Arbeiter der sozialistischen Land- und Forstwirtschaft' eingeweiht. Nach mehr als 20 Jahren waren unter dem Einfluss der Witterung die Sockelplatten und das Reliefbild zunehmend zerfallen.

'Mit der Sanierung des Forstarbeiterdenkmals würdigt der Freistaat Thüringen die Leistungen der vielen tausend Waldarbeiter, Helfer aus der Bevölkerung und Soldaten bei der Aufarbeitung der Orkan- und Borkenkäferschäden sowie der anschließenden Wiederaufforstung im Gebiet des Mittleren Thüringer Waldes vor 55 Jahren', äußerte der Staatssekretär anlässlich der Übergabe des Denkmals.

In den Sommermonaten dieses Jahres ist unter Regie des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, des staatlichen Forstamtes Oberhof und des Tourismusverbandes Thüringer Wald e. V. die Sanierung des Forstarbeiterdenkmals angelaufen. Die Ausführung der Sanierungsarbeiten übernahm die Firma Grundstein GmbH aus Steinbach-Hallenberg. Das Ministerium unterstützte die Fertigstellung mit rund 14.000 Euro.

Die Sturm- und Borkenkäferkatastrophe begann am 13. und 14. Juni 1946 als ein Orkan über den Mittleren Thüringer Wald aus der ungewöhnlichen nord-östlichen Himmelsrichtung hereinbrach. Der auf die Hauptwindrichtung West-Südwest über 150 Jahre hinweg orientierte räumliche Waldbestandsaufbau bot damit keinen Deckungs- oder Traufschutz, so dass die nördlich und östlich geöffneten ungeschützten Bestandsränder am stärksten von Schäden betroffen waren. Nach den beiden Orkantagen lagen im Mittleren Thüringer Wald und den angrenzenden Vorlandbereichen insgesamt fast zwei Millionen Festmeter Bruch- und Wurfholz am Boden.

Infolge forstorganisatorischer Auswirkungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann aber damit erst das eigentliche Problem: der großflächigen Borkenkäferbefalls der betroffenen Waldbestände. Dabei war entscheidend, dass während der vorangegangenen Kriegsjahre das Entrinden des Nadelholzes aus Personalmangel vernachlässigt und ab Juli 1944 sogar verboten wurde. Die Folge waren rund 100.000 Festmeter Borkenkäferschadholz im Jahr 1945. Die rund zwei Millionen Festmeter vom Orkan gebrochener und geworfener Fichtenbäume boten dann dem Borkenkäfer ideale Vermehrungsbedingungen.

Parallel zur Aufarbeitung der Sturmschäden musste nun auch noch die Borkenkäferbekämpfung organisiert und durchgeführt werden. Ein Großteil des forstlichen Personals war entlassen worden oder befand sich noch in Kriegsgefangenschaft, so dass die Aufarbeitung erst im Oktober 1946 beginnen konnte. Hinzu kam, dass sich in dem sehr trockenen und warmen Jahr 1947 mindestens zwei, in günstigen Lagen sogar drei Käfergenerationen entwickelten. Mit der Ausgabe von Naturalprämien auf die eigene Arbeitsleistung und einer Grundverpflegung gelang es im Jahr 1947, rund 12.000 Arbeitskräfte für die Aufarbeitung des liegenden Holzes und die Sanierung des Borkenkäferholzes im Bereich des Mittleren Thüringer Waldes zu gewinnen. Bis 1949 wurden insgesamt rund fünf Millionen Festmeter Schadholz in Form von Bruch- und Käferholz aufgearbeitet, was weit über dem regulären jährlichen Holzeinschlag im Land Thüringen lag. Für den Abtransport standen wenig Transportfahrzeuge und Treibstoff zur Verfügung. Hier engagierten sich die örtlichen Truppeneinheiten der sowjetischen Besatzungsmacht, welche die Schadholzaufbereitung mit Traktoren, LKW und Ersatzteilen erheblich unterstützten.

Nach der Aufarbeitung der Orkan- und Borkenkäferschäden mussten rund 21.000 Hektar Kahlfläche wieder aufgeforstet werden. Damit konnte erst nach dem Ende der Schadholzaufarbeitung im Jahre 1948 begonnen werden. Die herkunftsgerechte Saatgutgewinnung und die Pflanzenanzucht für derartig große Kahlflächen gestalteten sich schwierig. Da die aus der Gefangenschaft zurückgekehrten arbeitsfähigen Männer noch mit dem Aufarbeiten und Sanieren der Kalamitätsschäden beschäftigt waren, wurden die Aufforstungen zum überwiegenden Teil von Frauen ausgeführt.

Was in den deutschen Großstädten wie Berlin, Köln oder Dresden die Trümmerfrauen leisteten - das haben die Pflanzfrauen in der Nachkriegszeit für den Thüringer Wald vollbracht. Von den fast 13.000 an der Wiederaufforstung beteiligten Arbeitskräften waren rund 70 Prozent Frauen. Die Wiederaufforstung konnte überwiegend bis zum Jahr 1954 abgeschlossen werden. Dabei wurden mit technologisch einfachsten Verfahren, nämlich fast ausschließlich in Handarbeit, über 31 Millionen, überwiegend Fichtenpflanzen in den Boden gebracht.

 

Katrin Trommer-Huckauf
Pressesprecherin
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Erfurt - Veröffentlicht von pressrelations


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