DKOU 2014: Nahrungsergänzungsmittel gegen Gelenkverschleiß meist wirkungslos
24.10.2014, 12:54
"Viele Medikamente, die einer Arthrose vorbeugen oder ihr Fortschreiten verhindern sollen, liegen nur knapp über oder auf dem Niveau eines Placebo-Effekts", erklärt Dr. med. Uwe de Jager, niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin, aus Freudenstadt. Auch für Nahrungsergänzungsmittel wie Chondroitin-Sulfat, Muschelextrakte, acetyliertes Hydroxyprolin (Oxaceprol), Heilpflanzen, homöopathische Mittel oder Gele, Salben, Cremes und Sprays sei die Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen. Lediglich bei Glucosamin sei die Datenlage etwas besser. Hier gebe es in den aktuellen Leitlinien der Osteoarthritis Research Society International (OARSI) eine zurückhaltende Empfehlung.

Hingegen bekämpfen viele Medikamente die mit der Arthrose einhergehenden Schmerzen effektiv und ermöglichen den Patienten damit eine bessere Lebensqualität. Orthopäden unterscheiden bei der Behandlung von Schmerzen zwischen entzündeten und nicht-entzündeten Gelenken. Liegt eine Entzündung im Gelenk vor, ist es wichtig, diese zu beseitigen, um ein Fortschreiten der Arthrose zu verhindern. "Hier stehen uns nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder auch Coxibe zur Verfügung. Auch die intraartikuläre Gabe von Cortison hat sich bewährt, wobei der Langzeiteffekt noch unsicher ist", erklärt de Jager. Hat ein Patient zwar keine akute Entzündung, leidet aber dennoch unter Schmerzen, empfiehlt der Orthopäde Paracetamol, schwache Opiate oder gegebenenfalls Medikamente, die den Nervenschmerz beseitigen. Bei Kniegelenkarthrose können auch Injektionen mit Hyaluronsäure helfen. Tatsächlich benötigt aber nur ein Teil der Patienten mit diagnostizierter Arthrose eine Schmerzbehandlung: "Erfreulicherweise hat fast jeder zweite Arthrose-Patient überhaupt keine Schmerzen. Die anderen Betroffenen können zielgerichtet mit schmerzlindernden Substanzen behandelt werden", so de Jager.

Da die Symptome wechselhaft sind, ist die Arthrose-Therapie hierbei sehr anspruchsvoll: Schmerzen und Gelenkunbeweglichkeit treten phasenweise auf. "Für eine erfolgreiche Therapie ist es daher sehr wichtig, den Patienten nach seinem individuellen Krankheitsverlauf zu behandeln. Der Arzt muss dabei Schmerzsymptome, das Stadium der Arthrose, Begleiterkrankungen sowie die Vorgeschichte und persönliche Fitness des Patienten berücksichtigen", erläutert Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Kongresspräsident des DKOU 2014, der vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ausgerichtet wird. Der niedergelassene Orthopäde empfiehlt Arthrose-Patienten, sich viel zu bewegen, gegebenenfalls abzunehmen und einen gesunden Lebensstil zu verfolgen.

Auf der Pressekonferenz des DKOU am 29. Oktober 2014 erläutern Orthopäden und Unfallchirurgen, ob und wann Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose sinnvoll sind und was Patienten tun können, um schmerzfrei mobil zu bleiben.

Kongress-Pressekonferenz des DKOU 2014

Arthrose erfolgreich vorbeugen und behandeln:
Sport, Physio, Tabletten oder OP?

Termin: Mittwoch, 29. Oktober 2014, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Pressezentrum, Raum 411, Ebene 3, Messe Süd Berlin

Themen und Referenten:

Arthrose - eine Krankheit mit vielen Gesichtern und vielen Betroffenen
Dr. med. Johannes Flechtenmacher
Kongresspräsident des DKOU 2014, Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Osteologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Rehabilitationswesen; Orthopädische Gemeinschaftspraxis am Ludwigsplatz, Karlsruhe

Sport und Arthrose: die Sicht des Wissenschaftlers und Patienten
Professor Dr. rer. phil. Klaus Bös
Ehemaliger Leiter des Instituts für Sportwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe

Der bessere Schnitt?
Welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel helfen gegen Arthrose?
Dr. med. Uwe de Jager
Facharzt für Orthopädie und Physikalische und Rehabilitative Medizin, Freudenstadt

Hand anlegen:
Physiotherapie & Orthopädietechnik können Schmerzen und Beweglichkeit verbessern
Professor Dr. med. Johannes Stöve
Chefarzt der Orthopädischen und Unfallchirurgischen Klinik am St.-Marien- und St.-Anna- Stiftskrankenhaus, Ludwigshafen

Wann ist welche Operation sinnvoll? Wie kann der Patient vernünftig entscheiden?
Professor Dr. med. Hanns-Peter Scharf
Direktor der Orthopädischen Klinik, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Klinikum Mannheim, Universitätsklinikum Medizinische Fakultät Mannheim

Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle DKOU 2014, Stuttgart


Pressekontakt:

Pressestelle DKOU 2014
Anne-Katrin Döbler, Kathrin Gießelmann
Postfach 20 11 30
70451 Stuttgart

Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167

E-Mail: giesselmann@medizinkommunikation.org


Veröffentlicht von pressrelations


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