Kurt Beck: Die SPD ist eine schwer führbare Partei

17.06.2019, 08:30
 

Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD Vorsitzende Kurt Beck hat im Interview die SPD als schwer zu führende Partei bezeichnet. Das Gespräch erschien in dem Interviewband „Was macht…? Ungekürzt!“ des Journalisten Aljoscha Kertesz. In dem Buch äußern sich neun ehemalige Spitzenpolitiker, Verbandsfunktionäre und Manager zu den aktuellen Herausforderungen der deutschen und europäischen Politik.

Mannheim, den 17. Juni 2019. Die SPD ist eine schwer zu führende Partei und „das wird sie auch immer sein“, sagte der ehemalige SPD Vorsitzende Kurt Beck im Interview und ergänzt: „Das ist auch ein Grund, weshalb ich dabei bin, dass man eben nicht zum Kanzlerwahlverein mutiert ist, dass man nicht obrigkeitsgläubig ist.“

Die Gründe hierfür steckten „ganz tief in den Genen unserer Partei, die von der Obrigkeit immer bekämpft wurde, abgelehnt worden ist. Da hat man eine große Grundskepsis gegen alles, was von oben nach unten versucht wird. Und es ist auch kein ungesundes Empfinden, in den eigenen Reihen ein kritisches Auseinandersetzen mit dem Führungspersonal zu haben.“

Gleichzeitig mahnte er Loyalität mit den gewählten Repräsentanten der Partei an: „jemanden zu unterminieren, das ist auf Dauer tödlich. Und warum sollten uns Menschen glauben, dass wir für eine solidarische Gesellschaft sind, wenn wir es selber nicht hinbekommen.“

Klare Aussagen kommen auch bei der Frage zu einem möglichen Ende der Koalition mit CDU/CSU: „Da bin ich nicht so schnell. Man muss immer fragen: und dann? Was passiert, wenn einer in der Regierung, die ja bisher zweifelsohne auch in schwierigen Fragen handlungsfähig ist, die Brocken hinschmeißt. Ich habe ernste Zweifel, ob dadurch die Vertrauensbasis gegenüber den Leuten, die anfällig für populistische und rechte Parolen sind, größer wird.“

Der ehemalige SPD Vorsitzender ergänzt mahnend: „Die Brocken sind schnell hingeschmissen. Die Scherben, die dabei entstehen, sind schwer wieder zusammengekehrt. Welche Folgen hätte das für Deutschland? Welche Folgen hätte es für die Menschen in Deutschland, in ganz Europa?“

Auf den Höhenflug der Grünen und die Frage der dauerhaften Positionierung vor der SPD angesprochen, antwortete der Vorsitzende der Friedrich Eber Stiftung: „Da warten wir erstmal ab. Solche Sprüche habe ich im Leben schon oft gehört: von den neuen Volksparteien etc. Die Grünen irrlichtern im Moment inhaltlich zwischen der CSU und der Linken und das wird ihnen momentan abgenommen. Auch, weil sie als Oppositionspartei nicht Farbe bekennen müssen. Die müssen keinen Lackmustest machen. Das sage ich ohne Bosheit, es ist einfach so. Ihre Führungsfiguren werden hofiert, auch wenn sie bisher nichts geleistet haben. Ich bin ganz sicher: so wichtig die ökologische Frage ist, die soziale Frage hat, gerade vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Welt, eine höhere Bedeutung.

Neben dem Interview mit Kurt Beck beinhaltet das Buch Gespräche mit Rainer Brüderle (FDP), Hans-Olaf Henkel (LKR), Klaus Kinkel (FDP), Edzard Reuter (SPD), Rezzo Schlauch (Grüne), Rita Süssmuth (CDU), Edmund Stoiber (CSU) und Bernhard Vogel (CDU).

Informationen zum Buch:
Buchtitel: Was macht…? Ungekürzt!
Verlag: Engelsdorfer Verlag
ISBN: 978-3-96145-735-9
Preis: 13,80 €
https://www.engelsdorfer-verlag.de/Politikwissenschaft/Was-macht-Ungekuerzt::7340.html

Informationen über den Autor:
Der 1975 geborene Kommunikationsberater und Journalist studierte Betriebswirtschaft und International Relations in Brighton, New York, Wellington und Wuppertal. Seit 1997 schreibt er regelmäßig für Fachzeitschriften und Tageszeitungen über Themen der politischen Kommunikation sowie Parteipolitik in Deutschland und Großbritannien. Im November 2017 erschien mit „Bundestag adieu!“ sein erstes Buch, ein Interviewband mit elf ehemaligen Bundestagsabgeordneten. www.bundestag-adieu.de

Pressestimmen
'Sachlich, klug und kompetent - Kertesz weiß die richtigen Fragen zu stellen.'

Dr. Stefan Groß
Chefredakteur
The European

„Das Buch räumt den Interviewten viel Platz frei. Es zeichnet sich aus durch die Mischung aus politischen und persönlichen Aspekten, teils sehr detailreich und anekdotenhaft aufgeschrieben.“

Dirk Lübke
Chefredakteur
Mannheimer Morgen
 
 
Kontakt:
Aljoscha Kertesz
E-Mail: aljoscha.kertesz@web.de



Veröffentlicht von pressrelations