Deutscher Fußball-Bund (DFB)
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MAIER WIRD 75: 'DIE STREICHE KÖNNTE ICH HEUTE NICHT MEHR MACHEN'

28.02.2019, 10:15


Noch immer ist er der erfolgreichste deutsche Torwart, obwohl er schon 1979 aufhörte. Seine Titel: Weltmeister, Europameister, je vier Europapokalsiege, Meisterschaften und DFB-Pokalsiege sowie der Weltpokal mit den Bayern. Sepp Maier, dem 1978 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde und der den "Bundestorwarttrainer" erfand, kann auf ein erfülltes Leben zurückschauen. Heute wird er 75 und zieht im DFB.de-Gespräch mit Mitarbeiter Udo Muras Bilanz.

Sepp Maier über:
Das Leben als Rentner: Wir sind sehr viel unterwegs, gerade komme ich mit meiner Frau aus der Antarktis zurück. Die Reise dauerte drei Wochen, mit der MS Bremen. Als Spieler war ich zwar auch schon auf der ganzen Welt, aber was hat man gesehen außer Flughafen, Hotel und Stadion? Als nächstes planen wir eine Reise nach Neuseeland und Australien.

Seine Bekanntheit: Sicher werde ich auf den Kreuzfahrten noch erkannt, aber die Leute sind alle auch schon etwas älter und entsprechend reserviert. Ein bisschen Hochachtung spüre ich manchmal schon, aber sie lassen uns in Ruhe. Das ist mir ganz recht so. Im Monat habe ich so rund 600 Autogrammanfragen. Der eine will mich im DFB-Trikot, der andere im Bayern-Trikot. Die meisten schicken schon ein Bild mit, das ich nur unterschreiben muss.

Sein Interesse am Fußball von heute: Ich habe zwei Ehrenkarten beim FC Bayern, aber die gebe ich meist weiter und mach es mir auf der Couch bequem. Oder ich gehe bei schönem Wetter golfen. Ich bin kein Bayern-Fan und war es nie, ich war ja bei dem Verein fast 50 Jahre angestellt. Das ist dann ein anderes Verhältnis. Sagen wir: Sympathisant. Zu Länderspielen werde ich immer eingeladen. Die sehe ich mir an, wenn sie bei uns in der Nähe sind, aber ich fahre jetzt nicht nach Köln oder so.

Die Dauer von Freundschaften aus der Spielerzeit: Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit, aber nach dem Fußball geht das Leben erst los. Dann verläuft es sich so ein bisschen. Man entwickelt andere Interessen, die man als Aktiver nicht hat wahrnehmen können. Bei mir waren das Tennis und Golf, die Bälle sind immer kleiner geworden. Beim Golf trifft man sich immer mal, und dann haben wir eine Riesengaudi. Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer waren in ihrer schweren Zeit nicht gut zu erreichen. Den Franz hat seine Frau ziemlich abgeschirmt. Aber wenn man sich dann irgendwann mal sieht, ist es wie früher. Abgesehen vom Gerd Müller, der ist am schlimmsten dran (leidet an Alzheimer; Anm. d. Red.). Der engste Freund aus meiner Spielerzeit ist "Bulle" Roth, der mir bekanntlich seinen Spitznamen verdankt. Wir gehen regelmäßig golfen.

Den Vergleich von gestern und heute: Wir hatten die schönere Zeit. Meine Streiche könnte ich heute alle nicht mehr machen. Damals war die Presse noch nicht so präsent, es gab keine Handys, wir hatten damals einfach mehr Freiheiten. Und die Gehälter und Ablösesummen sind nicht mehr normal, kein Mensch ist 200 Millionen Euro wert. Das ist eine richtige Blase, und ich glaube, dass sie bald platzt. Die Spieler wären natürlich blöd, wenn sie das Geld nicht mitnähmen. Ich würde nur wegen des Geldes auch heute noch mal spielen wollen. Ich würde sofort irgendwo einen Ein-Jahres-Vertrag unterschreiben und mich auch auf die Bank setzen…

Seinen größten Erfolg: Natürlich die Weltmeisterschaft 1974 mit dem Titelgewinn in München. Das war das Highlight in meinem Leben, aber auch die vier Europapokalsiege mit Bayern muss ich anführen.

Seinen Tiefpunkt im Leben: Das war mein Autounfall 1979, der meine Karriere beendet hat. Ich wollte noch bis zur WM 1982 spielen und hätte sicher die 100 Länderspiele vollgemacht. So musste ich froh sein, mit dem Leben davongekommen zu sein. Das verdanke ich vor allem dem Uli Hoeneß, der für meine Verlegung nach München gesorgt hat. Der Uli hat ganze Arbeit geleistet.

Sein bestes Spiel: Da muss ich zwei nennen: Meine besten Spiele waren sicher bei der WM 1974 gegen Polen (1:0 im entscheidenden Spiel ums Finale; Anm. d. Red.) und Holland (2:1 im Finale; Anm. d Red.). Die Wasserschlacht gegen Polen und das Endspiel in meinem Heimstadion in München bleiben natürlich hängen, da habe ich - in aller Bescheidenheit - super gespielt. Ich habe sicher auch in der Bundesliga viele richtig gute Spiele gemacht, aber das war nächste Woche schon kein Thema mehr. Doch wenn du mit deiner Mannschaft ins WM-Finale einziehst und das dann noch gewinnst, hat das einfach eine andere Bedeutung.

Sein schwächstes Spiel: Das war 1973 im Europacup in Amsterdam. Da habe ich während des Spiels zu sehr an meinen Handschuhen herumgedoktert. Es gab ja damals nur Wollhandschuhe. Ich aber hatte mir wegen des glatten Balls und des nassen Bodens eine Spezialversion kreiert - mit Noppenbelägen wie bei Tischtennisschläger - und war viel zu sehr damit beschäftigt, dass das alles hält. Na ja, wir haben 0:4 verloren, und ich habe anschließend meine Ausrüstung aus dem Hotel in die Gracht geworfen. Schuhe, Handschuhe und Trikot schwimmen immer noch in der Nordsee. Es hatte aber sein Gutes, heute spielen sie alle mit meinen Handschuhen, ich war ein Pionier. Es war nur leider nicht möglich, sie zu patentieren.

Das Spiel, das er gern noch mal spielen würde: Wenn ich ein Spiel noch mal spielen könnte, dann das von Cordoba - natürlich mit einem anderen Ergebnis dann…

Seine schönsten Weltmeisterschaften: Bei der WM 1966 war ich noch ein Jungspund, Dabeisein war schon ein großer Erfolg. Ich war für die gute Laune zuständig und für das nicht ganz jugendfreie Filmprogramm. 1970 war meine schönste WM als Spieler, aber insgesamt war es 1990 am schönsten. Die Anspannung, die man als Spieler gehabt hatte, entfiel. Ich hatte meinen Job als Bundestorwarttrainer, war überall dabei, hatte aber keinen Druck wie noch 1974 im eigenen Land oder 1978 als Titelverteidiger in Argentinien. Als Weltmeister habe ich mich auch in Italien gefühlt.
 

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Frankfurt/Main - Veröffentlicht von pressrelations