Antidiskriminierungsstelle des Bundes

„Was divers macht“ – Deutsche Antidiskriminierungstage 2019 eröffnet

02.12.2019, 11:00

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und der kommissarische Leiter der unabhängigen Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, haben am Montag im Berliner Haus der Kulturen der Welt die ersten deutschen Antidiskriminierungstage eröffnet.

„Deutschland ist ein vielfältiges Land. Allerdings ist das gute Zusammenleben unterschiedlicher Menschen in den letzen Jahren unter Druck geraten. Es besorgt mich, dass Anfeindungen, Rassismus, Homophobie oder Frauenfeindlichkeit um sich greifen“, sagte Giffey in ihrem Grußwort. „Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie die „Deutschen Antidiskriminierungstage“. Echte Vielfalt verlangt von allen geistige Beweglichkeit und die Bereitschaft zum Dialog. Sie erfordert auch Rücksichtnahme, Toleranz und Akzeptanz dafür, dass Menschen verschieden sind und unterschiedlich leben wollen. Und sie erfordert klare Grenzen der Toleranz, wenn Hass und Hetze die Stirn geboten werden muss.“

Der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle, Bernhard Franke, sagte: „Wir wollen Menschen ein Forum geben, die sich Tag für Tag gegen Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung und für Akzeptanz, Respekt und Gleichbehandlung einsetzen. Antidiskriminierungspolitik ist Grundrechtsschutz. Sie dient unserer Gesellschaft als Ganzes. Und damit dient sie jeder und jedem einzelnen.“
Prof. Dr. Naika Foroutan, Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung, sagte in ihrer Keynote-Rede: „Vielfalt oder Diversität wird in der deutschen Öffentlichkeit meistens unter Bezugnahme auf Migration diskutiert. Die Frage des Umgangs mit Migration ist somit zu einer Chiffre für den Umgang mit Differenz geworden und dient als grundsätzliche Metapher für den Umgang von Mehrheiten mit Minderheiten in pluralen Demokratien. Der Kernkonflikt in diversen Gesellschaften dreht sich aber nicht um Migration, sondern um die Aushandlung und Anerkennung von Gleichheit als zentralem Versprechen der modernen Demokratien, welche nun auch - aber nicht nur - von Migrant*innen und ihren Nachkommen beansprucht wird.'
Die von der Antidiskriminierungsstelle unter dem Motto „Was divers macht“ in diesem Jahr erstmalig ausgerichteten Deutschen Antidiskriminierungstage sind mit mehr als 400 Teilnehmenden und mehr als 30 an zwei Tagen angebotenen Workshops, Diskussionsveranstaltungen und vom Haus der Kulturen Welt ausgerichteten, hochkarätigen Kulturevents die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Forschung sowie aus Unternehmen und Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Medien, Bildung und Zivilgesellschaft diskutieren bei den Antidiskriminierungstagen über aktuelle Problemlagen und Zukunftsfragen der Antidiskriminierungsarbeit.Der Kongress ist intersektional und interdisziplinär ausgerichtet: Mit Podiumsdiskussionen, Workshops und Fall-Werkstätten soll die Möglichkeit umfangreicher Perspektiverweiterung und Vernetzung gegeben werden.

Zu den Themen, die bei den Antidiskriminierungstagen diskutiert werden, zählen Altersdiskriminierung ebenso wie die Chancen und Herausforderungen der so genannten Dritten Option. Auch Fragen der Inklusion, von Rassismus und Integration werden diskutiert. Ebenso geht es um die Frage, ob der Merkmalskatalog des AGG heutzutage noch ausreichend ist, um Diskriminierung an Hochschulen, dem kirchlichen Arbeitsrecht bis hin zu Diskriminierungsrisiken durch Algorithmen.

Das Programm der Antidiskriminierungstage finden Sie unter https://ads-veranstaltungen.bafza.de/deutsche-antidiskriminierungstage-2019-was-divers-macht/programm.html.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist eine unabhängige Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Sie wurde 2006 mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes eingerichtet. Sie betreibt Öffentlichkeitsarbeit und Forschung zum Thema Diskriminierung und bietet eine rechtliche Erstberatung für Menschen, die aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion, Weltanschauung, sexuellen Identität, des Alters, einer Behinderung oder des Geschlechts benachteiligt worden sind.


Berlin - Veröffentlicht von pressrelations