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Welche Rolle spielen Zukunftsvorstellungen für die Wirtschaft?
12.04.2019, 14:26
Mit der Finanzkrise 2008 ging auch das Vertrauen in die Prognosefähigkeit der Wirtschaftswissenschaften verloren - erwiesen sich doch die Modelle über die vermeintlich „rationale“ Erwartungsbildung als zu einfach. Die Annahme, dass Individuen über vollständige Informationen über Gegenwart und Zukunft verfügen und auf dieser Grundlage allein ihre Erwartungen bilden, stimmt offenbar nicht.

Erwartungen sind das Ergebnis komplexer kognitiver Prozesse, welche durch individuelle und historische Erfahrungen maßgeblich geprägt werden. Wie Erwartungen gebildet werden, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Um zu verstehen, wie Erwartungen das wirtschaftliche Handeln beeinflussen, ist eine historische Analyse daher fundamental. Dies ist die These des Schwerpunktprogramms „Erfahrung und Erwartung. Historische Grundlagen ökonomischen Handelns“, dessen zweite Förderperiode jetzt begonnen hat.

Prof. Dr. Alexander Nützenadel, Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ist geschäftsführender Sprecher des Programms, in dem insgesamt 17 neue Projekte aus den Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften in ganz Deutschland forschen. Viele Projekte verfolgen eine interdisziplinäre Perspektive. Sebastian Schöttler (HU) aus der Geschichtswissenschaft beschäftigt sich zum Beispiel mit der Frage, wie Unternehmensberatungen Einfluss auf die Entscheidungsfindung und die Strategie von Firmen genommen haben: Managing Expectations. Consultancy and Corporate Decision-Making in Germany after 1965.

In ihrem Projekt Mapping the Future. A Euro-American History of Business Cycle Forecasting, 1920-1980 untersucht Laetitia Lenel, ebenfalls am Institut für Geschichtswissenschaften der HU, verschiedene Prognoseinstrumente, die amerikanische und europäische Ökonominnen und Statistiker im 20. Jahrhundert entwickelt haben, und fragt nach den Zeitvorstellungen, die sich in den Instrumenten widerspiegeln. Lenel: „In den 1920er Jahren war die Vorstellung, Vergangenheit und Zukunft könnten sich gleichen wie die zwei symmetrischen Flügel eines Schmetterlings, weitverbreitet.“ Die Methode der Umfrage hingegen, die seit den 1930er Jahre Verwendung findet und bis heute verbreitet ist, zeugt von einem ganz anderen Verständnis von Zeitlichkeit: Die Zukunft erscheint hier als offen und womöglich sogar manipulierbar.
 
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